Angelika und die Weltherrschaft

Jérôme Junod

Ein modernes Märchen, in dem Eigenverantwortlichkeit gefragt ist und das auch einmal die gute Fee hinterfragt.
"Ich bin nicht mehr, als das was man aus mir macht..."
Angelika wird in der Schule gemobbt und zu Hause ignoriert. Da erscheint die geheimnisvolle Frau Chtngst in ihrem Leben und verrät ihr eine Geheimformel, die Leute an ihrem wunden Punkt zu treffen und so wieder Aufmerksamkeit zu erlangen. Doch plötzlich haben alle Angst. Ist es das was sie wollte?
ausführliche Beschreibung
Eigentlich ist Sebastian an allem schuld. Oder Maria-Hermelinde. Oder Frau Kitischek, die Lehrer ein. Sebastian ist doof. Dauernd muss sie ihm einsagen. Und auch Maria-Hermelinde. Und was ist der Dank? Sie mobben sie. Die Katze soll sie ihnen machen. Mit Katzenbuckel und Miau! Und dann wird sie zum Gespött der ganzen Klasse. Auch Borislav nervt sie. Der raucht und trinkt und läuft hinter Angelika her. Ihre Schwester Karin knutscht dauernd mit ihrem Freund Timo, Mama sitzt Tag und Nacht vor dem Computer und Papa hat den Fitnesswahn. Keiner hört ihr zu. Angelika reicht's. Plötzlich steht Frau Chtngst neben ihr. Ist sie eine Fee? Nein, einfach nur eine alte Frau, die ihr helfen will. Sie gibt Angelika einen Rat: Jeder Mensch hat einen Punkt, wo er weich und empfänglich ist. Diesen Punkt muss man berühren, dann bekommt man wie- der Aufmerksamkeit. Und findet man diesen wunden Punkt? Vielleicht hören sie ihr ja dann wieder zu? Mama und Papa und Karin und alle, die ja immer so beschäftigt sind.

Angelika dringt in die kleine Welt von Mama und Papa ein und gibt ihnen die richtigen Stichworte. Und plötzlich hören ihr alle zu. Papa will das genau wissen, was Angelika da von der Restrukturierung der Firma gesagt hat. Und Mama wird neugierig, als ihr Angelika von einem Mann in einem Internetforum erzählt. Sie warnt die knutschende Karin vor den Gefahren vor Herpes und fragt Maria-Hermelinde ganz nebenbei, ob sie nicht zugenommen habe. Und Borislav warnt sie vor der Innenministerin, die ihn abschieben könnte, wenn er zu frech wird. Die Wunderformel wirkt. Alle haben ein Ohr für sie.

Aber wollte Angelika das so? Den Leuten Angst machen? Sie mit ihren eigenen Waffen schlagen? So werden wie die? Auf einmal sind alle verunsichert. Papa hat Existenzängste und trinkt, Mama will Angelika nicht einmal mehr allein in die Schule gehen lassen, Karin sperrt sich ins dunkle Zimmer ein und Maria-Hermelinde ist schon beinahe magersüchtig. Das wollte Angelika doch nicht. Nur Chaos, wohin sie auch sieht. Und wer ist schuld? Frau Chtngst. Sie stellt die Dame zur Rede. Und macht ihr klar, dass sie in Zukunft auf ihren Trick verzichten würde. Vertrauen ist gefragt. In die Menschen und in sich selbst. Dann steht einem alles offen. Schluss mit der Weltherrschaft! Alle sollen so
sein, wie sie sind und das beste daraus machen! Auch sie selbst!

Jérôme Junods Kinderstücke sind generationendeckend. Er versteht es, eine Ge- schichte verschiedenen Altersstufen gleichzeitig nahezubringen. Mit Figuren, die uns nahe sind und doch mitunter aus einer anderen Welt kommen. Seine junge Protagonistin lebt in einem Umfeld, das viele Jugendliche kennen: Die Schule, die Fremdbestimmung durch Eltern und Lehrer, die einem wiederum keine Aufmerksamkeit schenken. Da kommt ein überirdisches Wesen ins Spiel, das plötzlich eine Lösung hat. Doch ist es die richtige?
2D 1H
Kinder
UA: 16.10.2014, Dschungel Wien