Döhl

Ein Leerstück in vier Akten und einem Epilog

Jérôme Junod

Eine bitterböse gesellschaftspolitische Komödie
Wer oder was ist Döhl wirklich? In Jérôme Junods Komödie ist Döhl eine Leerstelle im Text. Das große Fragezeichen, um das sich die abstrusesten Interpretationen ranken. Der Einsilbige unter den Geschwätzigen stellt alles auf den Kopf und bringt aufgeblasene Sprachhülsen zum Platzen. Eingespielte Hierarchien kommen ins Wanken, Strukturen bröckeln, Posten werden neu verteilt. Warum, weiß keiner. Plötzlich ist einer da, den man nicht einordnen kann, und schon respektiert man ihn, hievt ihn an die Spitze und kippt dabei selbst aus dem Sessel. Gibt es einen Ausweg? Natürlich: Döhl.
ausführliche Beschreibung
Eines Tages steht Döhl in der Firma und scheint nicht daran zu denken, wieder zu gehen. Ohne eine erkennbare äußerliche Regung setzt er sich auf den Platz der langjährigen Praktikantin Regine Ausdauer, die sich nach vielen unbezahlten Arbeitsstunden endlich über eine fixe Anstellung freuen darf. Döhl inspiziert die wohlgeordneten Utensilien ihres Schreibtisches, tippt mit zwei Fingern auf ihrem Computer und leert mit naivem Interesse den Inhalt ihres Papierkorbs aus. Der Abteilungsleiter Hermann Waschlappen, die Vizeleiterin Dr. Cordula von Ungefähr und Dipl. Ing. Werner Fuzzi sind schwer verunsichert, und selbst der hochgeschätzte firmeninterne Wissenschaftler Prof. Dr. Leidernicht hat keine Erklärung für das wortkarge Wesen. Döhl ist hier, Döhl ist da, Döhl macht sich unentbehrlich, und immer ist Döhl präsent, wenn Inspektoren erscheinen und Berichterstattungen für Direktor Macht einholen. Oder ist er gar selbst Inspektor?

Der Aufstieg Döhls in der Firma ist unaufhaltsam. Plötzlich ist Döhl in der Zentralverwaltung registriert, bezieht das Gehalt von Regine Ausdauer, die wieder zur Praktikantin herabgestuft und in Folge entlassen wird. Die Gewinne steigen, wer ist dafür verantwortlich? Döhl. Dabei tut er nicht viel und sagt nicht viel. Beleidigungen prallen an ihm ab. Stellt man ihm eine Frage, so bekommt man die stereotype Antwort: Döhl. So wenig man über Döhl weiß, so vieldiskutiert ist seine Erscheinung. Döhl beschäftigt nicht nur die Mitarbeiter der Firma, sondern auch die Akademische Gemeinschaft. Döhl wirft sowohl theologische als auch philosophische Fragen auf, streift den Genderaspekt und wird zum Auslöser politisch-tendenziöser Debatten über Migration und Heimat.

Eines Tages ist Döhl spurlos verschwunden. Doch das Sesselrücken ist nicht zu Ende und geht kontinuierlich weiter. Jeder bekämpft jeden. Als die Bedrohung wächst, rückt man in scheinheiliger Solidarität zusammen. Doch die Karten sind längst neu gemischt. Und wer sitzt in der obersten Chefetage? Döhl.
3D 4H
Sim Dek
Schauspiel