Plötzliches Tosen einer vorbeifahrenden Schnellbahn

frei nach "On ne badine pas avec l’amour" von Alfred de Musset

Jérôme Junod / Alfred de Musset

Perdican, Camille und Rosette treffen anlässlich des Begräbnisses von Camilles Vater im Dorf, in dem sie aufgewachsen sind, wieder aufeinander. Auf dem Spielplatz, dem Ort ihrer Jugend, müssen sie sich, untermalt vom Tosen der vorbeifahrenden Schnellbahnen, ihrer Vergangenheit, ihrer Gegenwart und ihrer Zukunft stellen. Ihre Leben sind durch die Elterngeneration miteinander verflochten, auch wenn sie von manchen Verstrickungen nichts wissen, manche Verbundenheiten verborgen bleiben. Perdican und Camille haben das Dorf verlassen, Rosette, die Tochter der Köchin, die schon als Kind immer mitspielen wollte und doch nur genervt hat, weil die beiden „einfach zu zweit sein“ wollten, ist geblieben. Musste bleiben.
Über allem steht der verstorbene Vater. Rosette weiß nicht, dass er auch ihr leiblicher Vater war. Sie weiß nicht, dass Camille von ihm sexuell missbraucht wurde. Für sie bleibt er die erträumte, die ersehnte Vaterfigur.
Die Ehe von Camilles Eltern verlief katastrophal. Der Vater war ein notorischer Schürzenjäger, die Mutter liebte jemand anderen. Sie flüchtete sich in Tabletten und Alkohol. Zwischen Perdicans Mutter und Camilles Mutter gab es eine große Verbundenheit, die mit einem völligen Bruch endete.
Dem komplexen Beziehungsgeflecht der Eltern, oft nur angedeutet, kann die Kindergeneration nicht entkommen. So komplex wie die Beziehungen der Eltern sind auch ihre Annäherungen. Rosette sieht nun in Perdican den erträumten Mann, doch sie muss erkennen, dass sie, wie schon damals als Kind, nicht dazugehört. Als Camille und Perdican glauben, dass sie immer noch einfach zu zweit sein wollen, hören sie die Notbremsung einer Schnellbahn…