Ein Text, der sich selbst zum Thema, Inhalt und Titel macht.
Eine humorvolle Auseinandersetzung mit dem geschriebenen Wort und dessen unsterblicher Existenz. Der personifizierte Text stellt sich vor und öffnet die Türen der Phantasie. Eine Geschichte, die keine ist. Trotzdem kommt einem dieser Text irgendwie bekannt vor, denn die Abstraktheit zwingt zur persönlichen Identifikation. Und beim Heidelberger Stückemarkt 2011 hat sich dieser frech-vorwitzige TEXT auch schon vorgestellt.
ausführliche Beschreibung
Gibt es am Theater etwas, das es noch nie gegeben hat? Alles schon einmal da gewesen? Vielleicht doch nicht. Jérôme Junod schreibt einen TEXT, der sich selbst zum Titel und Inhalt macht. TEXT ist eine humorvolle und doch ernste Auseinandersetzung mit dem geschriebenen Wort und dessen unsterblicher Existenz. Ob gespielt oder nicht gespielt, ob gelesen oder nicht. Er ist da und bleibt doch ungreifbar. Gerade durch die Verweigerung einer Geschichte wird der Text wiederum zur Geschichte. 25 Seiten gibt Junod seinem Text. Der personifizierte Text stellt sich vor, freundet sich mit dem Leser an und öffnet die Türen der Phantasie. Er weiß alles und doch nichts über sich selbst, entsteht er doch im Augenblick, in dem er gelesen oder gespielt wird. Keine Regieanweisungen, keine guten Ratschläge zu seiner Umsetzung. Nur eines will er nicht sein: Pflichtlektüre in den Schulen. Dafür ermöglicht er uns etwas, was wir im normalen Leben nicht so einfach können. Er gönnt uns ein paar leere Seiten zum Überspringen. Passiert deswegen gar nichts? Und - wie hört sich eine leere Zeile an? Ja, aber was soll denn das dann? Wir wollen doch Geschichten am Theater erleben, mit Figuren, die einen Namen haben oder zumindest X oder Y oder auch 1, 2 oder 3 heißen und greifbar sind. Oder wir lehnen das massiv ab, erzählte Inhalte am Theater - pfui! - und haben das Verlangen, über Textflächen zu wandeln. Aber nur einen TEXT sehen, der sich da 25 Seiten lang ausbreitet und uns ständig einen Haken schlägt? TEXT prahlt mit seiner Unsterblichkeit, obwohl er formell einen Anfang und ein Ende hat. Gleichzeitig führt er die Vergänglichkeit seiner potentiellen Interpreten vor. Er wird zur Projektionsfläche seiner Leser und bleibt trotz seiner vielfältigen Erscheinungsformen ungreifbar. Trotzdem zwingt er in seiner Abstraktheit zur persönlichen Identifikation. Dabei leistet er sich Abstecher zu Tschechow, Montaigne, Russell, Einstein und den Schildkröten. Und am Ende verrät er uns: Ich bin nicht fert…

Jérôme Junod erlaubt sich mit seinem TEXT einen inhaltlichen Zick-Zack-Lauf und stellt in clownesker Textakrobatik die Frage der Personifizierung und Identifikation am Theater auf den Kopf. Er foppt und macht zugleich neugierig und zuletzt hat man eine Geschichte gelesen, die gar keine ist. Und doch-irgendwie kommt einem dieser TEXT bekannt vor…
1 Darsteller - oder auch mehrere
Schauspiel
UA: 23.08.2012, Theater Erlangen/Stadtbücherei